Mitten in der Nacht: Die CPAP-Therapie verursacht Bauchkrämpfe
Ich wälze mich in einem unruhigen Schlaf hin und her und wache mehrmals auf. Intuitiv massiere ich im Halbschlaf meinen Bauch mit leichtem Druck von oben nach unten. Ich weiß aus vorangegangenen Nächten, was heute Morgen noch passieren wird.
Pünktlich um 6 Uhr klingelt mein Wecker. Jetzt bewahrheitet sich meine Befürchtung: Bauchkrämpfe. Die Luft aus der Windmaschine hat sich in Bereiche hineingeschlichen, in denen sie nichts zu suchen hat.
Normalerweise erledigt sich das Problem mit Voranschreiten des Morgens zügig von selbst. Die Luft findet ihren Weg nach draußen. An diesem Morgen ließ sich die Luft gehörig Zeit, um aus meinem Körper zu entweichen. Das Ergebnis waren über zweieinhalb Stunden schmerzhafter Krämpfe.
Ich wünsche mir, dass du keine Probleme damit hast. Wenn dir das trotzdem passiert, verrate ich dir hier, was dahintersteckt und welche drei Wege mir und vielen anderen Betroffenen geholfen haben.
Was ist Aerophagie und warum entsteht sie bei CPAP?
Aerophagie hat nichts mit der Luftfahrt zu tun. Es kommt aus dem Griechischen und bedeutet Luft schlucken. Dass Luftschlucken auf Dauer dem Magen nicht bekommt, dürfte klar sein.
Bei der Überdruckbeatmung pumpt das CPAP-Gerät kontinuierlich Umgebungsluft über den Schlauch und die Maske in deine Atemwege. Das verhindert, dass Zunge, Gaumen und andere Weichteile ihre Muskelspannung verlieren und deinen Rachenraum blockieren.
Manchmal gelangt die Luft aber über die Speiseröhre fälschlicherweise in den Magen. Wie bei einer falsch gestellten Weiche: Wenn die Weiche zwischen Luft- und Speiseröhre nicht kräftig genug schließt, verstellt sie sich ungewollt. Das passiert vor allem bei einem hohen Therapiedruck oder wenn eine Erkältung die Nase dichtmacht und du gegen Widerstand schluckst. Bauchkrämpfe sind dann während deiner CPAP-Therapie vorprogrammiert.
Typische Anzeichen für Aerophagie:
- Aufgeblähter Bauch direkt nach dem Aufwachen
- Aufstoßen und Blähungen am Morgen
- Druck- oder Spannungsgefühl im Oberbauch
- Im unangenehmsten Fall: Krämpfe wie oben beschrieben
Die gute Nachricht: In den meisten Fällen lässt sich das Problem in den Griff bekommen. Der Blähbauch ist übrigens einer der Klassiker unter den häufigsten CPAP-Problemen, du bist damit also in bester Gesellschaft.
Weg 1: Probier es mit der Ausatemhilfe
Die Ausatemhilfe heißt bei ResMed-Geräten EPR und bei Löwenstein softPAP. Die Maschine senkt den Druck beim Ausatmen um den von dir gewählten Wert ab. An meiner gibt es die Stufen 1 bis 3. Wenn du einatmest, bekommst du wieder den normalen Luftdruck.
Wenn es dir schwerfällt, gegen den Luftwiderstand auszuatmen, wirst du dieses Feature lieben. Ich würde dir empfehlen, die Funktion mit unterschiedlichen Stufen auszuprobieren.
Notiere dir, mit welcher Konfiguration du welches Ergebnis erzielt hast. Es kann sein, dass du eine Einstellung ein paar Tage testen musst, ehe du eine Aussage treffen kannst. Bequem geht das mit meinem Schlafapnoe-Erfolgstagebuch, genau dafür habe ich es gebaut.
Am Anfang fand ich die höchste Stufe der Ausatemhilfe angenehm. Mittlerweile habe ich sie ausgeschaltet. Auch das zeigt: Was heute hilft, darf sich morgen ändern.
Hast du trotz voll aufgedrehter Ausatemhilfe Probleme beim Ausatmen, gibt es Geräte, die eine größere Hilfe anbieten. Die Maschinen, die das können, heißen BiPAP-Geräte. Ob so ein Wechsel für dich sinnvoll ist, entscheidet dein Schlafmediziner.
Weg 2: Schlafposition und kleine Stellschrauben
Es wäre toll, wenn deine Schlafapnoe-Therapie immer ohne Probleme funktioniert. Ich bringe es mal auf den Punkt: Es läuft nicht immer alles wie am Schnürchen. Du solltest wissen, dass jedes Rädchen, an dem du drehst, die gesamte „Maschine" verändert. Du könntest mit jeder Änderung andere Schwierigkeiten bekommen. Wenn du das verstehst, tust du dich leichter, neuen Problemen auf den Grund zu gehen.
Diese kleinen Änderungen können bei Luft im Bauch helfen:
- Erhöhte Kopfposition: Probiere beim Schlafen ein leicht erhöhtes Kopfteil oder ein zusätzliches Kissen aus. Das entlastet die „Weiche" zwischen Luft- und Speiseröhre.
- Seitenlage statt Rückenlage: Viele Betroffene schlucken in Rückenlage mehr Luft. Die Seitenlage ist ohnehin oft die bessere Position bei Schlafapnoe.
- Abends leichter essen: Ein voller Magen und kohlensäurehaltige Getränke am Abend verstärken das Druckgefühl zusätzlich.
- Maskensitz prüfen: Wenn du nachts durch den Mund atmest oder die Maske stark leckt, schluckst du eher Luft. Ob dein Maskentyp zu deiner Atmung passt, klärst du im CPAP-Masken-Guide.
Wie gesagt: Kleine Veränderungen können sowohl Grund für Verschlechterungen als auch für Verbesserungen sein. Ändere deshalb immer nur eine Sache auf einmal und gib ihr ein paar Nächte Zeit.
Weg 3: Es sind deine Bauchkrämpfe, also sprich sie an
Gehe im Zweifelsfall und bei andauernden Beschwerden zum Arzt und sprich die Probleme an. Ich weiß, die möchten nicht immer alles hören, aber bestehe darauf und bleib hartnäckig. Es sind deine Schmerzen und nicht die des Arztes.
Wichtig dabei: Der Therapiedruck selbst gehört in ärztliche Hände. Wenn der Verdacht besteht, dass dein Druck zu hoch eingestellt ist, lass das im Schlaflabor oder bei deinem Schlafmediziner prüfen, statt selbst am Gerät zu drehen. Nimm am besten deine Aufzeichnungen mit, dann sieht dein Arzt auf einen Blick, wann die Beschwerden auftreten.
Und falls die Krämpfe von heftigen Schmerzen begleitet werden, über Tage anhalten oder zusammen mit anderen Beschwerden auftreten: ab zum Arzt, ohne Warteschleife. Nicht alles, was im Bauch drückt, kommt vom CPAP.
Erstveröffentlichung: Januar 2022 · Zuletzt aktualisiert und erweitert: Juli 2026
Schwere obstruktive Schlafapnoe, Diagnose 2020. Heute helfe ich Betroffenen, mit ihrer Therapie klarzukommen. Fragen zu diesem Artikel? Stell sie in der kostenlosen Community, dort antworte ich persönlich.