Jede Nacht setze ich mir ein Gerät auf, das mir mein Leben zurückgegeben hat. Über 15.000 Stunden liegt die Maske inzwischen auf meinem Gesicht, und lange habe ich nie darüber nachgedacht, woher sie kommt. Bis ich die Geschichte des Mannes las, ohne den es diese Plattform, diesen Beruf und wahrscheinlich auch mich nicht gäbe. Sie beginnt 1980 in einem Labor in Sydney, mit einem umgebauten Staubsaugermotor und einer verzweifelten Idee. Das ist die Geschichte, die jeder Betroffene einmal gehört haben sollte.
Denn wir reden auf dieser Seite viel über die Probleme mit der Maske, über Druckstellen, Enge und trockenen Mund. Das ist richtig und wichtig. Aber manchmal hilft es, den Kopf zu heben und sich klarzumachen, was diese Maske ist: eine der stillsten medizinischen Revolutionen des zwanzigsten Jahrhunderts, und ein Grund zur Dankbarkeit.
Die Zeit davor: das Skalpell als Therapie
Um die Größe dieser Erfindung zu verstehen, muss man wissen, was vorher galt. Bis Anfang der 1980er Jahre war die schwere obstruktive Schlafapnoe eine Krankheit ohne gute Behandlung. Ärzte kannten das Problem, sie sahen die Menschen, die tagsüber am Tisch einschliefen und deren Herz unter den nächtlichen Aussetzern litt. Aber die wirksamste Behandlung, die sie anbieten konnten, war brutal: die Tracheotomie, der Luftröhrenschnitt.
Man legte dem Patienten eine dauerhafte Öffnung in den Hals, unterhalb der Enge, damit die Luft den zusammenfallenden Rachen umgehen konnte. Das funktionierte, aber der Preis war hoch: ein Loch im Hals, das gepflegt werden musste, das Sprechen und Baden erschwerte und das Leben für immer veränderte. Kein Wunder, dass viele Betroffene diese Behandlung ablehnten und lieber mit der Krankheit weiterlebten, mit allen Folgen. Genau in diese Lücke stieß ein junger Forscher in Australien.
Die Idee: Luftdruck statt Schnitt
Colin Sullivan forschte an der Universität Sydney an der Atmung im Schlaf, unter anderem in Tierversuchen. Dabei reifte in ihm eine Überlegung, die im Nachhinein bestechend einfach klingt und doch niemand vor ihm konsequent umgesetzt hatte: Wenn das Problem ein Atemweg ist, der im Schlaf zusammenfällt, warum ihn dann aufschneiden? Warum nicht einfach von außen einen leichten Luftdruck anlegen, der ihn wie eine unsichtbare Schiene offen hält?
Das Prinzip dahinter ist bis heute das Herz jeder CPAP-Therapie, und ich zeichne es in Vorträgen gern so, wie Sullivan es sich vermutlich zuerst skizziert hat:
Was uns heute naheliegend erscheint, war damals ein Bruch mit dem Denken der ganzen Fachwelt. Man behandelte die Schlafapnoe mit Chirurgie, nicht mit Luft. Sullivan aber wollte seine Idee ausprobieren, und weil es keine Geräte dafür gab, baute er sie sich selbst.
Die erste Nacht, die alles veränderte
Für das erste Gerät griff Sullivan zu dem, was verfügbar war. Das Gebläse stammte von einem Staubsaugermotor, dazu kamen Schläuche, mit denen er die Luft leitete, und eine Maske, die er dem Patienten mit einer Art Silikonmasse an der Nase abdichtete, damit kein Druck entwich. Es war eine Konstruktion, die in keinem Katalog stand, zusammengesetzt aus Werkstatt und Notwendigkeit.
Der erste Patient war ein Mann mit schwerer Schlafapnoe, dem als einzige Behandlung der Luftröhrenschnitt angeboten worden war und der ihn abgelehnt hatte. Ihm bot Sullivan seinen Prototyp an. Was in dieser Nacht geschah, wurde zur Geburtsstunde einer weltweiten Therapie: Zum ersten Mal seit Langem hörten die Atemaussetzer auf. Der Mann atmete ruhig und durchgehend, der zerhackte Schlaf wich einem tiefen. Sullivan konnte an den Messkurven sehen, wie der sanfte Luftdruck genau das tat, was er sich erhofft hatte, er hielt den Atemweg offen.
Sullivan probierte die Methode an weiteren Patienten, und die Ergebnisse waren so eindeutig, dass er sie 1981 im renommierten Fachjournal The Lancet veröffentlichte. Die Arbeit beschrieb, wie bei fünf Patienten die Atemaussetzer durch den kontinuierlichen positiven Atemwegsdruck, auf Englisch continuous positive airway pressure, kurz CPAP, so gut wie verschwanden. Es war die Veröffentlichung, die alles ins Rollen brachte, auch wenn die Fachwelt zunächst skeptisch blieb.
Vom Staubsauger zum Weltstandard
Was folgte, ist eine Geschichte von Hartnäckigkeit. Sullivan und sein Team bauten die Geräte und Masken zunächst von Hand, in einer Werkstatt am Royal Prince Alfred Hospital, und behandelten damit die ersten Patienten in der weltweit ersten Schlafapnoe-Klinik. Die Nachfrage wuchs, weil die Methode wirkte: Waren es 1985 rund einhundert Patienten, so waren es 1989 bereits über tausend. Jeder von ihnen war ein Beweis, dass man diese Krankheit ohne Skalpell behandeln konnte.
Der Sprung von der handgebauten Ausnahme zum Gerät für alle kam über die Industrie. Ende der 1980er Jahre wurde die Technologie der Universität Sydney lizenziert, und daraus wuchs ein Unternehmen, das die CPAP-Geräte in Serie fertigte und weltweit verbreitete, heute einer der großen Namen der Branche. Aus dem Staubsaugermotor im Labor wurde ein leises Gerät auf Millionen Nachttischen. Wie diese Therapie heute funktioniert und was sie leistet, steht im großen CPAP-Guide.
Was von ihm bleibt
Colin Sullivan gilt heute zu Recht als Vater der CPAP-Therapie. Sein Verdienst ist nicht nur ein Gerät, sondern ein Perspektivwechsel: Er hat gezeigt, dass man eine gefährliche Krankheit sanft und ohne Verstümmelung behandeln kann, und er hat Millionen Menschen den Luftröhrenschnitt erspart. Wenn ich abends meine Maske aufsetze, sitzt in ihr die Idee eines Forschers, der vor über vierzig Jahren nachts in einem Labor in Sydney nicht lockerließ.
Und trotzdem gehört zur Ehrlichkeit dieser Geschichte auch das: Sullivan hat die Behandlung möglich gemacht, aber nicht bequem. Dass die Maske drückt, zischt und den Mund trocknet, dass die Eingewöhnung schwerfällt, all das ist bis heute unsere tägliche Arbeit, meine als Coach und deine als Betroffener. Er hat das Fundament gelegt, den Rest bauen wir jeden Tag selbst. Ich finde, das ist eine schöne Aufgabenteilung: Ein Pionier gibt dir das Werkzeug, mit dem du wieder leben kannst, und es liegt an dir, es zu benutzen. Meine eigene Geschichte, wie ich von der Diagnose zur Maske und schließlich zu dieser Plattform kam, kannst du im Artikel Der Aha-Moment nachlesen. Sie ist, wie die von Sullivan, am Ende eine Geschichte über das Nichtaufgeben.
Häufige Fragen zum Erfinder der CPAP
Wer hat die CPAP-Therapie erfunden?
Die CPAP-Therapie wurde von dem australischen Arzt und Forscher Colin Sullivan an der Universität Sydney erfunden. Er gilt als Vater der CPAP. Seine Idee war, den im Schlaf zusammenfallenden Atemweg nicht chirurgisch offen zu halten, sondern mit sanftem, kontinuierlichem Luftdruck von außen.
Wann wurde die CPAP-Maschine erfunden?
Der Durchbruch gelang 1980, und 1981 veröffentlichte Colin Sullivan seine Ergebnisse an fünf Patienten im Fachjournal The Lancet. Diese Veröffentlichung gilt als Geburtsstunde der modernen CPAP-Therapie. Bis daraus ein weit verbreitetes Gerät wurde, vergingen allerdings noch einige Jahre.
Stimmt es, dass die erste CPAP aus einem Staubsauger gebaut wurde?
Ja, im Kern. Für seinen ersten Prototyp nutzte Sullivan das Gebläse eines Staubsaugermotors, um den nötigen Luftdruck zu erzeugen, dazu Schläuche und eine Maske, die er dem Patienten an der Nase abdichtete. Es war eine handgebaute Konstruktion aus dem, was im Labor verfügbar war.
Wie wurde Schlafapnoe vor der CPAP behandelt?
Die wirksamste Behandlung der schweren Schlafapnoe war bis Anfang der 1980er Jahre die Tracheotomie, ein Luftröhrenschnitt mit dauerhafter Öffnung im Hals unterhalb der Enge. Das funktionierte, war aber sehr belastend, weshalb viele Betroffene die Behandlung ablehnten. Sullivans Erfindung machte diesen Eingriff für die meisten überflüssig.
Wie wurde aus der Erfindung ein Massenprodukt?
Zunächst bauten Sullivan und sein Team die Geräte von Hand am Royal Prince Alfred Hospital und behandelten die ersten Patienten in der weltweit ersten Schlafapnoe-Klinik. Ende der 1980er Jahre wurde die Technologie der Universität Sydney an die Industrie lizenziert, woraus ein weltweit tätiges Unternehmen und die Serienfertigung der Geräte entstanden.
Warum ist die CPAP bis heute der Goldstandard?
Weil sie das Grundproblem direkt löst: Der Luftdruck hält den Atemweg zuverlässig offen, unabhängig von der Ursache des Zusammenfallens. Die Therapie wirkt ab der ersten Nacht, ist gut belegt und bei praktisch jeder Form der obstruktiven Schlafapnoe einsetzbar. Trotz aller Alternativen und neuer Forschung ist sie deshalb bis heute die wirksamste Behandlung.
Quellen und weiterführende Literatur
- Sullivan, C. E., Issa, F. G., Berthon-Jones, M., Eves, L. (1981): Reversal of obstructive sleep apnoea by continuous positive airway pressure applied through the nares. The Lancet
- University of Sydney: How the CPAP machine beats deadly sleep apnoea (Institutsdarstellung zur Geschichte der Erfindung)
- Colin Sullivan: inventive pioneer of sleep medicine. The Lancet (Porträt)
- ResMed und Branchenquellen zur Kommerzialisierung der an der Universität Sydney entwickelten CPAP-Technologie
Veröffentlicht: Juli 2026
Schwere obstruktive Schlafapnoe, Diagnose 2020, über 15.000 Stunden mit der Maske. Fragen zu diesem Artikel? Stell sie in der kostenlosen Community, dort antworte ich persönlich.