Der Schlafapnoe-Kämpfer Wieder leben
Wissen · Porträt

40 Jahre Löwenstein Medical: die Geschichte eines Mannes aus Bad Ems

von Marc Partipilo · Zertifizierter Schlafcoach Veröffentlicht im Juli 2026 8 Min. Lesezeit
Illustration in Dunkelblau und Teal: eine kleine Stadt in einem engen Flusstal bei Nacht, warm erleuchtete Fenster, von dort ziehen feine leuchtende Bögen über den Himmel in die Ferne

Bei mir stehen zwei CPAP-Geräte. Ein prisma 20A von Löwenstein, das ich seit Längerem nutze, und ein Gerät von ResMed, dazu die Masken, die ich nachts trage. Zwei Hersteller, zwei Länder, zwei Geschichten.

Die australische Geschichte kenne ich gut und habe sie hier aufgeschrieben: Colin Sullivan, ein Labor in Sydney, ein umgebauter Staubsaugermotor. Die deutsche Geschichte ist weniger bekannt, obwohl die Geräte längst nicht mehr nur in deutschen Schlafzimmern stehen, sondern in über 50 Ländern im Einsatz sind. Sie fängt in einem Kurort an der Lahn an, und sie ist im Kern keine Firmengeschichte. Sie ist die Geschichte eines Kaufmanns, der mit dreißig schon Geschäftsführer war und mit Mitte vierzig alles auf eine Karte setzte. 2026 wird daraus ein vierzigjähriges Jubiläum.

Die kurze Antwort: Hinter Löwenstein Medical steht Reinhard Löwenstein, aufgewachsen in Bad Ems. Nach einer kaufmännischen Ausbildung arbeitete er bei einem Hersteller für Beatmungs- und Anästhesietechnik und war dort mit dreißig Geschäftsführer. 1986 kaufte er die Hälfte der Anteile an der Heinen GmbH, einem Spezialisten für die Versorgung von Frühgeborenen, daraus wurde Heinen + Löwenstein. 1991 übernahm er den Rest. Aus dem Händler wurde über die Jahre ein Hersteller, ab 1992 auch für Schlafapnoe-Geräte. Seit 2017 heißt das Ganze Löwenstein Medical. Für uns Betroffene ist die Firma vor allem als Hersteller der prisma-Geräte und der JOYCE- und CARA-Masken wichtig. Geführt wird sie heute von seinen Söhnen.

Der Junge aus der Kirchgasse

Bad Ems liegt in einem engen Tal an der Lahn, zwischen bewaldeten Hängen, rund fünfzehn Kilometer von Koblenz. Eine Kurstadt mit Thermalquellen und einem UNESCO-Welterbetitel. Kein Ort, an dem man Medizintechnik vermutet.

Dort wuchs Reinhard Löwenstein auf, in der Kirchgasse. Er machte keine akademische Karriere, sondern eine kaufmännische Ausbildung. Über die Firma Heyer kam er früh mit Inhalations- und Beatmungstechnik in Berührung, dazu mit Anästhesie. Mit dreißig war er dort Geschäftsführer.

Das ist der Punkt, der mich an dieser Biografie interessiert: Er kannte das Geschäft von innen, bevor er es selbst wagte. Er wusste, wie Kliniken einkaufen, was ein Beatmungsgerät leisten muss und wo die Branche ihre Lücken hat. Dieses Wissen war sein Startkapital.

Die Entscheidung von 1986

1986 kaufte er 50 Prozent der Anteile an der Heinen GmbH im nordrhein-westfälischen Meckenheim-Merl. Heinen handelte mit Medizinprodukten und war auf Neonatologie spezialisiert, also auf die Versorgung von Früh- und Neugeborenen: Inkubatoren, Wärmebetten, Kinderbeatmungsgeräte, Monitore für Säuglinge. Aus Heinen wurde Heinen + Löwenstein.

Das erste eigene Büro lag in der Römerstraße 24 in Bad Ems. 1991 übernahm er auch die restlichen Anteile. Ab da trug er die volle Verantwortung, und die Firma stand oder fiel mit seinen Entscheidungen.

Rückblickend klingt das bei ihm ohne Pathos: „Wir sind stolz. Wir haben hart gearbeitet. Wir hatten aber auch Glück, es gab immer Menschen, die uns gefördert haben, die uns wohlgesonnen waren und mit uns gearbeitet haben." Ich mag diesen Satz, weil das Wort Glück darin vorkommt. Es kommt in Unternehmerporträts selten vor.

Warum er in Bad Ems blieb

Zwei Dinge prägen diese Geschichte stärker als jede einzelne Produktentwicklung.

Das erste ist ein Grundsatz, den das Unternehmen bis heute so beschreibt: Wachstum nicht um jeden Preis. Erst musste ein Geschäftsfeld funktionieren, dann wurde investiert und Personal eingestellt. Für einen Kaufmann in einer Branche, in der viele auf Zukauf und Tempo setzen, ist das eine unmoderne Haltung. Löwenstein selbst fasst sie so zusammen: „Wachstum entsteht nicht durch Perfektion, sondern durch Haltung, Kundennähe und Kundenzufriedenheit."

Das zweite ist der Wechsel vom Händler zum Hersteller. Statt nur die Geräte anderer zu verkaufen, wollte er selbst entwickeln, selbst produzieren und für die ganze Kette geradestehen, vom Produkt über den Service bis zum Kontakt mit Patienten. Software, Elektronik und Mechanik wanderten nach und nach ins eigene Haus.

Und der Standort blieb. Aus dem Büro in der Römerstraße wurde die Zentrale in der Arzbacher Straße 80, immer noch in Bad Ems, inzwischen einer der größten Arbeitgeber der Region. Dazu kamen Standorte in Hamburg, Karlsruhe, Kammerstein, Rangendingen und Steinbach, dazu Niederlassungen in über 50 Ländern. Nach Angaben des Unternehmens arbeiten heute rund 3.400 Menschen für die Gruppe.

Wie die Schlafmedizin dazukam

Für uns wird es Anfang der 1990er interessant. Die Schlafmedizin war damals ein junges Feld, Sullivans Erfindung noch keine zehn Jahre alt. Nach Angaben des Unternehmens kam 1992 die Schlafatemtherapie als Geschäftsfeld dazu, 1994 ein eigenes Unternehmen für Schlafdiagnostik. Damit war beides im Haus: die Messtechnik, mit der eine Schlafapnoe festgestellt wird, und die Geräte, die danach zum Einsatz kommen. Wenn du in einem Schlaflabor übernachtest, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Technik aus dieser Ecke im Spiel ist.

Der größte Sprung kam 2013: Die Homecare-Sparte des Hamburger Traditionsunternehmens Weinmann wurde Teil der Gruppe. Weinmann geht auf eine 1874 gegründete Manufaktur zurück und hatte schon 1991 ein eigenes Schlaftherapiegerät im Programm. Aus dieser Hamburger Tochter kommen bis heute die prisma-Geräte. 2017 verschwand der Name Heinen + Löwenstein, seither tritt alles als Löwenstein Medical auf.

Skizze: 40 Jahre in fünf Stationen Vierzig Jahre in fünf Stationen 1986 Einstieg bei Heinen, Büro in Bad Ems 1992/94 Schlaftherapie und Schlafdiagnostik 2013 Weinmann Homecare kommt dazu 2017 neuer Name: Löwenstein Medical 2026 40 Jahre, über 50 Länder Aus einem Büro in der Römerstraße wurde eine Gruppe mit Standorten in ganz Deutschland.

Was davon auf deinem Nachttisch steht

Am Ende dieser vierzig Jahre steht für uns eine ziemlich praktische Frage: Was kann das Ding neben dem Bett, und wie liest man seinen Namen?

Ein prisma SOFT ist ein klassisches CPAP-Gerät mit festem Druck. Ein prisma SMART regelt den Druck automatisch nach, ist also ein APAP-Gerät. Was das für den Alltag bedeutet, steht im Artikel über den CPAP-Druck. Der Zusatz plus heißt, das Gerät funkt seine Daten per Bluetooth an die App. Der Zusatz max heißt, es hat ein eigenes Mobilfunkmodem und schickt sie ohne Handy in die prisma CLOUD, wo Versorger und Arzt sie sehen.

Skizze: wie die prisma-Namen aufgebaut sind Den Namen auf dem Gerät lesen prisma SOFT fester Druck (CPAP) prisma SMART Druck regelt sich (APAP) + plus Bluetooth zur App + plus Bluetooth zur App + max Modem im Gerät, Daten in die Cloud + max Modem im Gerät, Daten in die Cloud ohne Handy ohne Handy Der erste Teil sagt, wie der Druck arbeitet. Der Zusatz sagt, wie die Daten das Gerät verlassen.

Mein eigenes Gerät, das prisma 20A, stammt aus der Generation davor und arbeitet ebenfalls automatisch. Oberhalb dieser Linie gibt es Geräte für Fälle, bei denen einfacher Überdruck nicht reicht, etwa prisma25ST oder prisma CR für Atemmuster wie die Cheyne-Stokes-Atmung. Welches passt, entscheidet nicht der Katalog, sondern die Messung im Schlaflabor. Alle Modelle mit ihren Daten stehen im CPAP-Geräte-Vergleich, die Herstellerangaben findest du direkt bei Löwenstein Medical. Dort gibt es auch einen eigenen Bereich für Patienten.

Masken baut Löwenstein ebenfalls selbst: die Nasenmasken JOYCEone, JOYCEeasy, JULIA und CARA sowie Full-Face-Varianten und die LENA. Ich trage selbst keine davon, meine Masken kommen von ResMed. Das ist kein Urteil über die eine oder andere Seite, sondern Zufall der Versorgung. Welche Maske zu deinem Gesicht passt, kann dir ohnehin keine Produktbeschreibung sagen. Wie du systematisch vorgehst, steht im Masken-Leitfaden, die einzelnen Modelle findest du im Masken-Vergleich.

Damit hier kein falscher Eindruck entsteht: Ein deutsches Gerät ist nicht automatisch das bessere. Jedes hier zugelassene CPAP-Gerät muss dieselben Anforderungen erfüllen, egal ob es aus Hamburg, Sydney oder Pennsylvania kommt. Über deinen Therapieerfolg entscheiden der richtige Druck, eine passende Maske und die Nächte, in denen du das Gerät aufsetzt. Und aussuchen kannst du es dir meist nicht: Bei der Versorgung über die Kasse legt der Vertrag zwischen Kasse und Versorger fest, was zur Verfügung steht. Wünsche äußern darfst du trotzdem, und mit ärztlicher Begründung ist ein Wechsel möglich.

Was aus einem Lebenswerk wird

Vierzig Jahre nach dem Start ist die nächste Generation in der Verantwortung. Benjamin Löwenstein führt das Unternehmen als CEO, sein Bruder Timo trägt ebenfalls Verantwortung. Beide sprechen über ihren Vater in einem Ton, der mir aufgefallen ist.

Timo Löwenstein nennt das Ganze ein Vermächtnis: „Mir ist sehr bewusst, welches Lebenswerk mein Vater aufgebaut hat. Dieses Unternehmen ist ein Vermächtnis, und wir fühlen uns als Familie in der Verantwortung, es in seinem Sinne weiterzuführen, für unsere Mitarbeitenden, für die Patientinnen und Patienten und für die Zukunft." Benjamin beschreibt die Stärke seines Vaters so: andere von seinen Ideen überzeugen, klare Positionen vertreten, Entscheidungen mit Selbstsicherheit vorantreiben.

Das ist der Teil, der mich an dieser Geschichte am meisten anspricht. 1986 gab es keine Garantie, dass aus dem Einstieg in eine kleine Firma etwas wird. Es gab Erfahrung, eine Idee und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Vierzig Jahre später hängt an dieser Entscheidung die Versorgung sehr vieler Menschen, meine eingeschlossen.

Ich kenne dort niemanden persönlich. Aber als ich für meine Vergleichsseiten um die Erlaubnis bat, Produktbilder zu verwenden, kam von Löwenstein eine sehr freundliche Antwort und die Freigabe. Das war weder selbstverständlich noch mit einer Bedingung verbunden. Dafür ein Danke an dieser Stelle.

Und dann bleibt der Glückwunsch, den ich gern ausspreche: Herzlichen Glückwunsch nach Bad Ems zu vierzig Jahren. Im Jubiläumsjahr trägt die Gruppe auch das TOP-100-Siegel 2026, eine Auszeichnung für innovative mittelständische Unternehmen. Mein Wunsch für die Zeit danach ist zugegeben eigennützig. Dass die Entwicklung dort nicht nachlässt. Dass weiter geforscht wird an Geräten, die leiser werden, angenehmer, genauer in dem, was sie nachts in unseren Atemwegen erkennen. Denn jede dieser Verbesserungen landet irgendwann auf einem Nachttisch wie meinem und macht eine Therapie ein Stück leichter, die uns den Rest unseres Lebens begleitet.

Transparenz: Dieser Artikel ist nicht bezahlt, nicht beauftragt und nicht abgestimmt. Es gibt keine Kooperation und keine Provision. Löwenstein hat den Text vor der Veröffentlichung nicht gesehen.

Häufige Fragen zu Löwenstein Medical

Wer hat Löwenstein Medical gegründet?

Reinhard Löwenstein, ein Kaufmann aus Bad Ems. Nach seiner Ausbildung sammelte er bei der Firma Heyer Erfahrung in Inhalations- und Beatmungstechnik sowie Anästhesie und war dort mit dreißig Geschäftsführer. 1986 stieg er mit 50 Prozent bei der Heinen GmbH ein, daraus wurde Heinen + Löwenstein, 1991 übernahm er die restlichen Anteile.

Seit wann gibt es Löwenstein Medical?

Das Unternehmen führt seine Geschichte auf 1986 zurück und feiert 2026 sein vierzigjähriges Bestehen. Den Namen Löwenstein Medical trägt es seit 2017. Ein zweiter Traditionsstrang ist älter: Die 2013 übernommene Homecare-Sparte von Weinmann geht auf eine 1874 gegründete Manufaktur zurück.

Welche CPAP-Geräte und Masken stellt Löwenstein her?

Für die Schlafapnoe-Therapie ist die prisma-Reihe entscheidend. prisma SOFT arbeitet mit festem Druck als CPAP-Gerät, prisma SMART regelt den Druck automatisch und ist ein APAP-Gerät. Die Zusätze plus und max stehen für Bluetooth zur App und für ein eingebautes Mobilfunkmodem zur prisma CLOUD. Bei den Masken kommen unter anderem JOYCEone, JOYCEeasy, JULIA, CARA und die Full-Face-Maske LENA von Löwenstein.

Ist ein deutsches CPAP-Gerät besser als ein amerikanisches?

Nein, aus dem Herstellungsland allein lässt sich keine Therapiequalität ableiten. Alle in Deutschland zugelassenen CPAP-Geräte müssen dieselben regulatorischen Anforderungen erfüllen. Entscheidend sind der richtig eingestellte Druck, eine passende Maske und die konsequente Nutzung. Ein Vorteil deutscher Hersteller kann in der Praxis der kurze Weg bei Service und Ersatzteilen sein.

Kann ich mir aussuchen, welches CPAP-Gerät ich bekomme?

In der Regel nicht frei. Bei einer Versorgung über die gesetzliche Krankenkasse bestimmt der Vertrag zwischen Kasse und Leistungserbringer, welche Geräte zur Auswahl stehen, das Gerät bleibt dabei meist Eigentum des Versorgers. Du kannst aber Wünsche äußern und begründen, und bei medizinischer Begründung durch den Arzt sind Wechsel möglich.

Wichtig: Dieser Artikel porträtiert ein Unternehmen und erklärt Produktbezeichnungen. Er ist keine Kaufberatung, keine Empfehlung für ein bestimmtes Gerät und kein Ersatz für ärztliche Beratung. Welches Therapiegerät und welcher Druck für dich richtig sind, entscheiden deine Ärztin oder dein Arzt anhand deiner Messwerte.

Quellen

Veröffentlicht: 28. Juli 2026

Marc Partipilo, der Schlafapnoe-Kämpfer
Marc Partipilo
Zertifizierter Schlafcoach · Seit 2020 in CPAP-Therapie

Schwere obstruktive Schlafapnoe, Diagnose 2020, über 15.000 Stunden mit der Maske. Welches Gerät steht bei dir auf dem Nachttisch? Erzähl es in der kostenlosen Community, dort antworte ich persönlich.

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